Eine Kellnerbörse dient dem Kellner in einem Gasthaus zur Verwahrung des Geldes, welches er von den Gästen, die ihre Rechnung in einem Lokal beglichen haben, empfangen hat. Da ein Ober nicht nur einen Gast an einem Tag bewirtet und zur Zahlung bittet - in fünf Sterne Hotels bewirtet ein Ober möglicherweise nur einen Besucher, doch jener bezahlt dann gewöhnlich auch nicht beim Kellner - sollte eine Geldbörse für den Ober stabil sein und vieles erdulden können. Im Unterschied zu einem normalen Geldbeutel, den beinahe jeder bei sich trägt, werden Kellnergeldbörsen sehr intensiv beansprucht und auch ungemein oft nicht gerade sehr behutsam abgelegt. Da ein solcher Geldbeutel viel aushalten muss, eignet sich Leder als Material bestens. Denn Leder ist ein sehr robustes Material und geniesst auch in der Bevölkerung ein hohes Ansehen.
Ein weiterer Unterschied zu dem einfachen Geldbeutel, den man so in seiner Tasche mit sich herumträgt, ist auch, dass solche Kellnerbörsen über mehrere Scheinfächer verfügen und auch ein großes, häufig noch extra verstärktes Fach für Hartgeld haben. Durch ein großes Münzfach ist es möglich, dem Gast sein Kleingeld, sofern man dieses nicht als Trinkgeld erhält, worüber sich der Kellner dann freut, direkt und ohne nerviges Suchen übergeben kann. Diverse dieser Börsen haben auch noch Fächer für einen Zettel und Stift, so dass man beim Gast am Tisch augenblicklich die Order entgegennehmen kann oder sich weitere wichtige und nicht so wichtige Sachen vermerken kann. Viele dieser Geldbörsen besitzen ferner noch eine Öse, woran eine Kette befestigt werden kann. Durch das Verbinden der Kette mit dem Kellnergeldbeutel verringert man die Gefahr, dass der Geldbeutel des Kellners am Tisch bei den zahlenden Gästen liegengelassen und vergessen wird. Eine Vielzahl solcher Geldbörsen werden auch maßgeschneidert für den Kunden angefertigt. So gibt es die Option die Geldbeutel mit Werbedrucken, Emblemen, dem Firmennamen und sehr vielen weiteren Sachen sichtbar noch hervorzuheben. Ob der Gast demzufolge die Geldbörse dann lieber sieht, darf stark angezweifelt werden.
Aber nicht nur in Bars finden solche speziellen Geldbeutel Verwendung. Ebenfalls bei Kurierfahrern, Briefzustellern und überall dort, wo man einen robusten und großen Geldbeutel benötigt, finden die Kellnerbörsen Verwendung
Hat die Kellnergeldbörse irgendwann ausgedient? Eventuell gibt es ja früher oder später gar keine dieser Geldbeutel mehr. Jetzt, wo in vielen Restaurants schon mit der Geldkarte bezahlt werden kann, ist es möglich, dass Geldbeutel für den Kellner evtl. früher oder später nicht mehr benötigt werden. Doch noch ist es vorallem in kleineren Bars und urigen Wirtsstuben noch nicht soweit, dass die Kellnergeldbörse keine Verwendung mehr findet. Es wäre auch für die Servierkraft nicht mehr so einfach Trinkgeld zu bekommen, wenn allerorts nur noch mit Kreditkarten bezahlt werden würde.
Häufig hört man aber auch in Berichterstattungen der Polizei von diesen Geldbeuteln. Da auch viele Ganoven gerne einen Blick auf einen solchen Geldbeutel werfen - ebendiese sind ja oftmals gut mit Bargeld gefüllt - sollte der Kellner immer ein Auge auf seine Kellnergeldbörse haben, denn durch die Entwendung einer Kellnergeldbörse kann dem Restaurant ein Schaden entstehen, den die Bedienung im schlimmsten Fall dann noch aus ihrer Tasche ausgleichen muss. Da man als Kellnerin in einem Bistro auch nicht gerade so gut bezahlt wird, bei vielen zumindest, wäre das dann richtig ärgerlich.
|