Wer immer den Begriff der Landhausmode in Umlauf gebracht
hat, blieb dem interessierten Publikum eine eindeutige Definition schuldig. So
findet man landauf und landab, im Westen wie im Osten Anbieter so genannter
Landhausmode, wobei die Irritation nicht geringer ausfällt, wenn diese
gelegentlich als Alternative etwa zum <a href="http://www.best-of-tracht.de/Trachten-DIRNDL-KLEIDER_c2_sidf4b0e05f3cd76b3a687833566a0f6970_x1.htm> Dirndl </a>angepriesen wird. Das Dilemma: es
werden Äpfel mit Birnen verglichen. Was also ist Landhausmode, oder besser: was
ist Landhausmode nicht? Den augenfälligsten Verweis beinhaltet zunächst die
Namensgebung selbst. Danach liegen die Wurzeln der Landhausmode nicht in der
städtischen Lifestyle-Kultur, sonderm im sehr viel gemächlicheren, ländlichen
Bereich, wo man bodenständiger lebt und Neuerungen, gleich welcher Art,
langsamer heranreifen. Auch ist die Landhausmode kein Synonym für historische
Trachtenbekleidung, die in jedem Detail einer überlieferten, verbindlichen
Farb- und Formensprache folgt. Historische Trachtenbekleidung wäre danach
gleichsam ein statisches System, während es sich bei Landhausmode um ein
dynamisches Phänomen handelt. Sie ist folglich eher als Dachbegriff für einen
Bekleidungsstil zu sehen, der sich zwar an historischen Vorbildern orientiert,
diesen aber nicht sklavisch kopiert. Vielmehr bietet sie den kreativen Trägern
und Couturiers die Freiheit der Interpretation und der Integration in den
aktuellen Modebetrieb, was bei der zeitlich abgeschlossenen historischen
Trachtenbekleidung naturgemäß nicht (mehr) möglich ist. Während also
historischen Trachten vor allem eine bewahrende Funktion zukommt, können
Anregungen daraus innerhalb der Landhausmode wieder zu neuem Leben erweckt
werden und sich auf Augenhöhe mit anderen aktuellen Trends messen. Damit mischt
sich die Landhausmode - und dies mit zunehmendem Erfolg - kräftig in das
aktuelle Modegeschehen ein. Sie bereichert nicht nur die derzeitige Modeszene,
sondern sie bietet vielen vermeintlich angesagten Trends auch noch Paroli. Das
tat sie in verstärktem Maße bereits seit den 1980er und 1990er Jahren des 20.
Jahrhunderts, und folgte damit einem Aufbegehren, das nicht nur auf den
Bekleidungssektor beschränkt blieb. Es war die Zeit, in der die Bevölkerung
zunehmend sensibel gegenüber den immer häufiger ins Bewußtsein rückenden
Erscheinungen von Qualitäts- und Werteverfall wurde, oder schlichtweg mit manch
vermeintlich zukunftsweisenden Mode-Kapriolen nichts mehr anzufangen wusste.
Damit ist die Landhausmode einer allgemeinen Neuorientierung zuzuordnen, die
sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche ausgeweitet hatte: vom Baustil
(Landhausstil) und Einrichtungsstil über Essen und Trinken (Rezepte aus Uromas
Zeiten) bis hin zur Sprache (Mundartpflege) und vieles mehr. So unterschiedlich
die Bereiche auch sein mögen, vereint sie doch die Wertschätzung gegenüber
regional gewachsener Kultur als Pendant zu den oft vereinheitlichenden
Globalisierungstendenzen. Vor allem aber sollte der in der Massenproduktion oft
auf der Strecke gebliebene Qualitätsbegriff wieder zu Ehren kommen. In der
Landhausmode fand und findet diese Einstellung ihren Ausdruck im Streben nach
einem harmonischen Zusammenspiel von edlem Material, alter Handwerkstechnik und
hervorragender Verarbeitungsqualität in Verbindung mit zeitaktuellen
Anforderungen wie Komfort, Bequemlichkeit und Pflegeleichtigkeit. Nicht selten
kommen hierbei sogar wieder authentische und zum Teil aufbereitete Materialien
wie etwa altes Bauernleinen mit einem Dekor aus Schablonenmalerei, alte
Rolltücher, alte Knöpfe oder handgewebtes Handtuch-Leinen, das mit
Pflanzenfarbe gefärbt wurde wieder ans Tageslicht. Dabei macht den besonderen
Reiz aus, dass die Landhausmode sich nicht nur auf bayerische Vorbilder
beschränkt, sondern allen Bundesländern in ihrer Vielfalt zu einer prächtigen
Bühne verhilft.
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