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veröffentlicht: 02.07.2008 | Autor: Horst Winkler
Rubrik: Mode | Leser bisher: 658 | ohne Bewertung

  

Wer immer den Begriff der Landhausmode in Umlauf gebracht hat, blieb dem interessierten Publikum eine eindeutige Definition schuldig. So findet man landauf und landab, im Westen wie im Osten Anbieter so genannter Landhausmode, wobei die Irritation nicht geringer ausfällt, wenn diese gelegentlich als Alternative etwa zum <a href="http://www.best-of-tracht.de/Trachten-DIRNDL-KLEIDER_c2_sidf4b0e05f3cd76b3a687833566a0f6970_x1.htm> Dirndl </a>angepriesen wird. Das Dilemma: es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Was also ist Landhausmode, oder besser: was ist Landhausmode nicht? Den augenfälligsten Verweis beinhaltet zunächst die Namensgebung selbst. Danach liegen die Wurzeln der Landhausmode nicht in der städtischen Lifestyle-Kultur, sonderm im sehr viel gemächlicheren, ländlichen Bereich, wo man bodenständiger lebt und Neuerungen, gleich welcher Art, langsamer heranreifen. Auch ist die Landhausmode kein Synonym für historische Trachtenbekleidung, die in jedem Detail einer überlieferten, verbindlichen Farb- und Formensprache folgt. Historische Trachtenbekleidung wäre danach gleichsam ein statisches System, während es sich bei Landhausmode um ein dynamisches Phänomen handelt. Sie ist folglich eher als Dachbegriff für einen Bekleidungsstil zu sehen, der sich zwar an historischen Vorbildern orientiert, diesen aber nicht sklavisch kopiert. Vielmehr bietet sie den kreativen Trägern und Couturiers die Freiheit der Interpretation und der Integration in den aktuellen Modebetrieb, was bei der zeitlich abgeschlossenen historischen Trachtenbekleidung naturgemäß nicht (mehr) möglich ist. Während also historischen Trachten vor allem eine bewahrende Funktion zukommt, können Anregungen daraus innerhalb der Landhausmode wieder zu neuem Leben erweckt werden und sich auf Augenhöhe mit anderen aktuellen Trends messen. Damit mischt sich die Landhausmode - und dies mit zunehmendem Erfolg - kräftig in das aktuelle Modegeschehen ein. Sie bereichert nicht nur die derzeitige Modeszene, sondern sie bietet vielen vermeintlich angesagten Trends auch noch Paroli. Das tat sie in verstärktem Maße bereits seit den 1980er und 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts, und folgte damit einem Aufbegehren, das nicht nur auf den Bekleidungssektor beschränkt blieb. Es war die Zeit, in der die Bevölkerung zunehmend sensibel gegenüber den immer häufiger ins Bewußtsein rückenden Erscheinungen von Qualitäts- und Werteverfall wurde, oder schlichtweg mit manch vermeintlich zukunftsweisenden Mode-Kapriolen nichts mehr anzufangen wusste. Damit ist die Landhausmode einer allgemeinen Neuorientierung zuzuordnen, die sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche ausgeweitet hatte: vom Baustil (Landhausstil) und Einrichtungsstil über Essen und Trinken (Rezepte aus Uromas Zeiten) bis hin zur Sprache (Mundartpflege) und vieles mehr. So unterschiedlich die Bereiche auch sein mögen, vereint sie doch die Wertschätzung gegenüber regional gewachsener Kultur als Pendant zu den oft vereinheitlichenden Globalisierungstendenzen. Vor allem aber sollte der in der Massenproduktion oft auf der Strecke gebliebene Qualitätsbegriff wieder zu Ehren kommen. In der Landhausmode fand und findet diese Einstellung ihren Ausdruck im Streben nach einem harmonischen Zusammenspiel von edlem Material, alter Handwerkstechnik und hervorragender Verarbeitungsqualität in Verbindung mit zeitaktuellen Anforderungen wie Komfort, Bequemlichkeit und Pflegeleichtigkeit. Nicht selten kommen hierbei sogar wieder authentische und zum Teil aufbereitete Materialien wie etwa altes Bauernleinen mit einem Dekor aus Schablonenmalerei, alte Rolltücher, alte Knöpfe oder handgewebtes Handtuch-Leinen, das mit Pflanzenfarbe gefärbt wurde wieder ans Tageslicht. Dabei macht den besonderen Reiz aus, dass die Landhausmode sich nicht nur auf bayerische Vorbilder beschränkt, sondern allen Bundesländern in ihrer Vielfalt zu einer prächtigen Bühne verhilft.

 






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